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Als Höhenrettung („Spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen(SRHT)“ bezeichnet man das Aufsuchen, die rettungsdienstliche bzw. notärztliche Versorgung und die Evakuierung von Menschen aus Notlagen in Höhen oder Tiefen. Die Methoden sind eng mit dem Bergrettungsdienst und dem medizinischen Rettungsdienst verwandt. Der Begriff „Höhenrettung“ wird von verschiedenen Disziplinen (Rettungsorganisationen, Alpinisten, Höhlenforschern, Industriekletterern, Feuerwehren) zum Teil unterschiedlich verwendet. Die Arbeiten werden stets im Seil verrichtet und zeichnen sich u. a. durch stets mehrfache (redundante) Auslegung von Sicherungs- und Rettungssystemen aus.

 

Typische Einsätze für Höhenretter sind Herzinfarkte oder Schlaganfälle von Kranführern, Suizidversuche, Rettungseinsätze an Hochhäusern oder Kletterunfälle, Personen in Schächten oder Silos und Personen, die in große Tiefe abgestürzt sind, sowie Personenunfälle bei Antennenarbeiten auf Türmen und anderen erhöhten Standorten.Die Rettung von Personen und Tieren, als auch die Sicherung und Bergung von Bauteilen in Höhen und Tiefen gehörte in den Großstädten schon immer zum Aufgabenbereich der Feuerwehren.Durch immer höher und komplexer errichtete Gebäude und technische Strukturen wie Industrieanlagen, Windkrafträder, Strommasten, Silos usw., sind die konventionellen Einsatzmöglichkeiten einer Feuerwehr jedoch oft erschöpft.Angelehnt an das Arbeiten der Bergrettung mittels Seiltechnik in Höhen und Tiefen im bergigen Gelände, hat sich in den siebziger Jahren die Industriekletterei auf z.B. Ölbohrtürmen und Fassaden entwickelt. Daraus hat sich dann wiederum seit den neunziger Jahren bei einigen Feuerwehren der Aufgabenbereich der heute sogenannten „SRHT“ (Spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen) ausgebildet.Fast jede große Berufsfeuerwehr, so wie auch einige Freiwillige Feuerwehren und Hilfsorganisationen in Deutschland halten mittlerweile sogenannte Höhenrettungsgruppen vor. So auch die Berufsfeuerwehr im fränkischen Würzburg. Mit unserer Reportage begleiteten wir die Würzburger Berufsfeuerwehr bei ihrer Ausbildung.

Ausbildungswoche in Würzburg

Höhenretterausbildung Hotelturm 09.04.2014
40 Meter hoch ragt der Kran am Berliner Ring in der Würzburger Innenstadt in den blauen Himmel. Oben erkennt man kleine Männer, die auf dem Ausleger stehen. Freihändig. Plötzlich schwebt einer von ihnen am Seil von da oben zu Boden. Die Höhenretter der Würzberg Berufsfeuerwehr üben das Abseilen eines verletzten Kranführers.

„Das geht mit unseren Drehleitern nicht mehr, da ist bei 30 Metern Schluss“, sagt Einsatzleiter Elmar Lange, der zum Pressetermin gekommen ist. Geübt werden an diesem Tag eine Kranführerrettung und der Vorstieg auf den Ausleger mit dem anschließenden Abseilen zum Boden. Da muss jeder Handgriff sitzen. Im Klettergurt und mit Helm hängt ein weiterer der Männer im roten Overall auf knapp 30 Metern Höhe auf der anderen Seite des Kranes am Seil. Er begleitet eine sogenannte Schleifkorbtrage an einem anderen Seil nach unten, drin liegt einer der Feuerwehrleute. Der „Verletzte“ winkt fröhlich, er weiß sich in sicheren Händen. „Runter kommen sie doch immer“, ruft einer der Arbeiter von der nahegelegen Baustelle.

24 ausgebildete Höhenretter gibt es bei der Würzburger Wehr. Sie sind zuständig für den gesamten Bereich der Würzburger Leitstelle, also Stadt und Landkreis Würzburg, Stadt und Landkreis Kitzingen sowie den Landkreis Main-Spessart. Bei Bedarf werden sie auch aus der Freizeit zum Einsatz gerufen.

„Höhenretter heißt alles, was mit einem Seil gemacht wird.“

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Jeder der Höhenretter muss 72 Stunden Ausbildung am Seil pro Jahr nachweisen, um diesen „Titel“ tragen zu dürfen, berichtet Bernd Erlenbach, Chefausbilder der Truppe der Würzburger Berufsfeuerwehr. „Höhenretter heißt alles, was mit einem Seil gemacht wird, also auch, dass sie in die Tiefe gehen, zum Beispiel einen Arbeiter aus einem Schacht retten“, erläutert Einsatzleiter Elmar Lange. Seit diesem Jahr werden die 72 Stunden Höhenrettung in zwei Etappen geschult, eine Woche lang im April, eine zweite Woche im Oktober. An diesem Dienstag wird am Berliner Ring die Rettung eines Kranführers geübt. Montag ging es an der Mauer der Festung Marienberg darum, einen abgestürzten Arbeiter aus der Mauer zu holen. Mittwoch wird am Hotelturm in der Schweinfurter Straße in Würzburg ein Fensterputzer aus einer misslichen Lage in seiner Gondel befreit. Am Donnerstag schließlich sind die Retter bei der Südzucker in Ochsenfurt. Dort geht es um die Rettung Verletzer aus einem Silo.

„Es gibt keine Höhenbeschränkung“, sagt Erlenbach. Beim Neubau der 70 Meter hohen Haseltalbrücke im Zuge der A 3 bei Marktheidenfeld zum Beispiel, musste ein Arbeiter gerettet werden, der verletzt in seinem Sicherungsgurt hing. Der höchste Einsatz bis jetzt sei die Rettung eines Arbeiters mit gebrochenem Fuß von einem 140 Meter hohen Windrad bei Kitzingen gewesen. „Die neuesten Windkraftanlagen sollen sogar bis zu 200 Meter hoch sein. Da müssten wir dann unsere Seile zusammenknoten, die sind nur 150 Meter lang“, sagt er trocken. Die Höhe mache einem nichts aus, das werde irgendwann ganz normal. „Da ist man so mit der Arbeit beschäftigt, dass man das gar nicht mehr merkt“, sagt er. Er muss es wissen. Gearbeitet wird redundant, also immer mit zwei Seilen. „Falls eines mal nicht mehr mag.“ Der Mann hat Humor.

Im Februar wurden am Flugplatz Giebelstadt mit der Hubschrauberstaffel der Polizei aus Roth bei Nürnberg sogenannte Winschvorgänge geübt. „Auch das hatten wir am Heuchelhof schon einmal, da hat sich einer auf dem Dach schwere Schnittverletzungen am Bein zugezogen, das Treppenhaus war zu eng und der Lift mal wieder kaputt, da haben wir ihn mit dem Hubschrauber abgewinscht“, berichtet Erlenbach. Beim Abwinschen hängen Retter und Geretteter an einem Seil an einer Winde am Hubschrauber.

Auch als Nothelfer werden die Höhenretter der Würzburger Berufsfeuerwehr immer öfter gerufen. „Wir haben immer mehr adipöse Patienten, die wegen ihrer Körperfülle nicht mehr über enge Treppen aus dem Haus gebracht werden können. Die werden dann vom Balkon abgeseilt“, erzählt Erlenbach. Den Job als Höhenretter macht der 43-jährige Gerchsheimer seit 2005. Passiert ist ihm oder einem seiner Männer noch nie etwas: „Gott sei Dank.“

   

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