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Wenn die Erde bebt oder ein Taifun wütet, lassen sie ihren Job ruhen und eilen zu Hilfe: die Ehrenamtlichen vom I.S.A.R. Alles privat organisiert und einmalig in Deutschland.

Im kalten Licht des Standscheinwerfers hetzt Darko über das Trümmerfeld, schnuppert an den Betonbrocken. Hundeführerin Astrid Kalff verfolgt die Bewegungen ihres jungen belgischen Schäferhunds, gibt anfeuernde Kommandos: „Darko, such! Darko, hierher!“ Als er neben einer Betonplatte hält, Sitz macht und bellt, weiß Kalff, was das bedeutet: Darko hat eine verschüttete Person aufgespürt. Kalff macht sich auf den Weg zu ihrem Hund, streichelt ihm über den Kopf, gibt ihm ein Leckerli. Dem Verschütteten nickt sie kurz zu, es ist meist ein Kollege, der die Rolle nur spielte. Im Ernstfall entscheidet Darkos Abschneiden in ihrem Suchgebiet über Leben und Tod.

Im Jahre 2012 fertiggestellt, hat es seitdem viele Tausende Besucherinnen und Besucher. Dazu zählen auch heute regelmäßig viele Auszubildende in Pflegeberufen, Medizinstudenten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Klinik, Rettungsdiensten und eine überaus interessierte breite Öffentlichkeit.

Die Rede ist von dem Medizinhistorischen Museum in Hamburg, was in einem denkmalgeschützten Bau von Fritz Schumacher entstanden ist. Das Medizinhistorische Museum setzt die Repräsentation von den historischen und kulturellen Aspekten der Medizin in Vergangenheit und Gegenwart in seinen Ausstellungen um. Verantwortlich für die Konzeption, Planung, Organisation, Aufbau und Durchführung der Ausstellungen ist das Institut für Geschichte und Ethik der Medizin am UKE.

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In einem denkmalgeschützten Bachsteinbau von Fritz Schumacher auf dem Gelände des UKE findet man das Medizinhistorische Museum. (Foto Presse UKE)

Das Forschungsinstitut steht als Bindeglied zwischen Klinik, Medizinischer Fakultät, Studierenden und den Besucherinnen und Besuchern des Museums. Es bürgt für die wissenschaftliche Qualität des Museums, dessen Tätigkeitsfelder sich, neben der Vermittlung von Wissen durch Ausstellungen und Veranstaltungen für eine breite Öffentlichkeit, in die Bereiche Sammeln, Forschen und Bewahren gliedern. Konzeptionell ist das Museum fester Bestandteil einer am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf entstehenden Akademie für Gesundheit werden, welche die Aspekte der Vorbeugung und das Wissen über den Körper und seine Funktionen einem interessierten Publikum in Kursen und Vorlesungen präsentieren will.

 

Ein Schreckenszenario für jeden Einsatzleiter: Nach einer Explosion sind dutzende Menschen durch chemische Stoffe verletzt worden. Ammoniak hat Schleimhäute und Augen gereizt, die Haut verätzt, hinzu kommen offene Wunden, Frakturen, Schnittverletzungen und Kreislaufversagen. Solch ein Lagebild wird in jeder Rettungsleitstelle das Alarmierungsstichwort „Massenanfall von Verletzten“ und damit einen Großeinsatz von Feuerwehren und Rettungsdiensten auslösen, was wiederum eine beträchtliche Herausforderung darstellt. Diese Schadenslage kann dazu führen, dass die Kontamination bis in die Notaufnahmen der Krankenhäuser weitergetragen wird und sowohl beim rettungsdienstlichen als auch beim medizinischen Personal gesundheitliche Schäden verursacht.

Um die Kontamination aller betroffenen Personen auf ein Minimum zu reduzieren, sind neben der medizinischen Versorgung der Verletzten auch Maßnahmen zu Dekontamination zu treffen.

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 In drei Jahren beschaffte das Land Nordrhein-Westfalen 50 Abrollbehälter für die Dekontamination Verletzter. Den Bau der Abrollbehälter übernahmen die Firmen Ewers sowie Dönges. (Bild Feuerwehr Wuppertal)


Das Land Nordrhein-Westfalen hat 2008 in einem bisher bundesweit einmaligen Konzept mit dem „Aktionsprogramm Katastrophenschutz“ begonnen, landesweit die Feuerwehren mit dem „Verletzten-Dekontaminationsplatz NRW“ technisch auszustatten und auf diese Gefahrenlagen vorzubereiten. Kernstück ist dabei ein Abrollbehälter „Dekon-V“, von dem zwischenzeitlich 50 an die Kreise und kreisfreien Städte ausgeliefert wurden.

Flüsse sind zusammen mit den Seen die Gefahrenstelle Nummer eins. Im letzten Jahr ertranken in Deutschland 387 Menschen in fließenden Gewässern. Insbesondere schnell fließende Gewässer bergen erhebliche Gefahren. Rettungsschwimmer, die Menschen und Tiere aus stark strömenden Flüssen aber auch aus Überschwemmungsgebieten retten wollen, benötigen eine spezielle Ausbildung. Die reguläre Rettungsschwimmerausbildung ist in solchen Situationen nicht mehr ausreichend. Um auf derartige Einsätze vorbereitet zu sein, bietet die DLRG eine zusätzliche Qualifikation an: Den Strömungsretter.

 

Die letzten europa- und weltweiten Katastrophen haben gezeigt, wie groß der Bedarf an einer effektiven und gut ausgebildeten Einsatzkomponente für schnell fließende Gewässer ist. Die Hochwasser an der Elbe und Donau in den Jahren 2002, 2005 und 2013, die Überschwemmungen durch Unwetter in Queensland 2010/2011, globale Naturkatastrophen, wie der Tsunami 2004 in Südostasien, oder ein örtliches Sturzflutereignis haben gezeigt, dass die Wasserrettung auf solche Szenarien reagieren muss.

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Zur Aufgabe der Strömungsretter gehört auch die Rettung von Menschen aus Schluchten und Gebirgsbächen.

 

Ein normalerweise ruhiger Bach oder Fluss kann bei einem Unwetter schnell zu einem reißenden Gewässer werden, in dem ein klassischer Motorrettungsbootseinsatz nicht mehr möglich ist. In verschmutzten, mit Treibgut und versteckten Gefahren durchsetztem Gewässer kann (und darf) auch kein Rettungsschwimmer nach alten Standards eingesetzt werden. Angelehnt an den amerikanischen Swiftwater Rescue Technican (SRT), ist der DLRG-Strömungsretter ein auf stark strömende Gewässer, Wildwasser und Hochwasser spezialisierter Wasserretter. Er wird grundsätzlich im Team eingesetzt und ist durch eine spezielle Schutzausrüstung vor den besonderen Gefahren in Flüssen und Überschwemmungsgebieten geschützt.

Thorsten Salamon arbeitet als Notarzt im hamburgischen Unfallkrankenhaus Boberg und flog 23 Jahre auf dem ADAC-Rettungshubschrauber „Christoph Hansa“ zu Notfällen in Hamburg und dem Umland in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Mehr als 14.000 Einsätze hat er während seiner Tätigkeit absolviert. Nun ist er selbst auf Hilfe angewiesen. Im November wurde bei dem 53-jährigen aus Hamburg-Bergedorf eine schwere Leukämie (Blutkrebs) diagnostiziert. Erfahren hat er die Diagnose mehr durch Zufall. Vor einer geplanten Operation wurde im Labor sein Blutbild untersucht. Hierbei wurde die verhängnisvolle Diagnose festgestellt. Noch während seines Nachtdienstes erhielt er das Ergebnis. Trotzdem arbeitete er seine Schicht bis zum Morgen zu Ende und berichtete am Tag dann seiner Familie von der schlimmen Nachricht. Salamon hat oft genug dem Tod ins Gesicht geschaut. Er erinnert sich an einen jungen Polizisten, der 1997 von einem Rechtsextremisten an der Autobahn 24 bei Talkau erschossen wurde. Der Anblick sei schrecklich gewesen. „Wenn jemand von unseren Kollegen – und dazu gehören auch Polizisten – abgeknallt werden, macht das einen schon ziemlich betroffen“, sagt Salamon.

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Über eine kleine Blutprobe in einem Blutröhrchen wird die erforderliche Menge für die spätere Typisierung im Labor entnommen.