Flüsse sind zusammen mit den Seen die Gefahrenstelle Nummer eins. Im letzten Jahr ertranken in Deutschland 387 Menschen in fließenden Gewässern. Insbesondere schnell fließende Gewässer bergen erhebliche Gefahren. Rettungsschwimmer, die Menschen und Tiere aus stark strömenden Flüssen aber auch aus Überschwemmungsgebieten retten wollen, benötigen eine spezielle Ausbildung. Die reguläre Rettungsschwimmerausbildung ist in solchen Situationen nicht mehr ausreichend. Um auf derartige Einsätze vorbereitet zu sein, bietet die DLRG eine zusätzliche Qualifikation an: Den Strömungsretter.

 

Die letzten europa- und weltweiten Katastrophen haben gezeigt, wie groß der Bedarf an einer effektiven und gut ausgebildeten Einsatzkomponente für schnell fließende Gewässer ist. Die Hochwasser an der Elbe und Donau in den Jahren 2002, 2005 und 2013, die Überschwemmungen durch Unwetter in Queensland 2010/2011, globale Naturkatastrophen, wie der Tsunami 2004 in Südostasien, oder ein örtliches Sturzflutereignis haben gezeigt, dass die Wasserrettung auf solche Szenarien reagieren muss.

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Zur Aufgabe der Strömungsretter gehört auch die Rettung von Menschen aus Schluchten und Gebirgsbächen.

 

Ein normalerweise ruhiger Bach oder Fluss kann bei einem Unwetter schnell zu einem reißenden Gewässer werden, in dem ein klassischer Motorrettungsbootseinsatz nicht mehr möglich ist. In verschmutzten, mit Treibgut und versteckten Gefahren durchsetztem Gewässer kann (und darf) auch kein Rettungsschwimmer nach alten Standards eingesetzt werden. Angelehnt an den amerikanischen Swiftwater Rescue Technican (SRT), ist der DLRG-Strömungsretter ein auf stark strömende Gewässer, Wildwasser und Hochwasser spezialisierter Wasserretter. Er wird grundsätzlich im Team eingesetzt und ist durch eine spezielle Schutzausrüstung vor den besonderen Gefahren in Flüssen und Überschwemmungsgebieten geschützt.

 

Direkt übersetzt bedeutet Swiftwater schnelles Wasser. Der amerikanische Standard NFPA 1670 definiert Swiftwater als bewegtes Wasser mit einer Strömungsgeschwindigkeit von mehr als einem Knoten pro Stunde (=1,85 km/h). Da normale Flüsse und Wasserstraßen in Mitteldeutschland mit drei bis acht Stundenkilometern fließen, kann jedes Fließgewässer als Swiftwater definiert werden.

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Motorrettungsboote können bei Hochwasserlagen nur in ruhigen Gewässern zum Einsatz kommen.

 

Die nächst höhere Stufe ist das „Whitewater“ - das eigentliche Wildwasser – in dem extreme Strömungsverhältnisse vorherrschen.

Ein Hochwasser kann auch in Deutschland selbst kleine Flüsse und Bäche zu schnell fließenden Gewässern machen und für Wasserretter ohne spezielle Ausrüstung und Ausbildung zu einer potenziellen Gefahr werden.

Wildwasserweste mit Panikverschluss

Die Mindestausrüstung besteht aus Neoprenanzug (Kälte- und Verletzungsschutz), spezieller Schwimmhilfe (Wildwasserweste mit Panikverschluss), Wildwasserhelm (mit Strömungsschlitzen), Handschuhen, festem Schuhwerk oder Neoprenfüßlingen und persönlichem Wurfsack.

Der Strömungsretter verwendet eine spezielle Schwimmhilfe, die bei maximaler Bewegungsfreiheit in Kombination mit dem Kälteschutzanzug noch ausreichenden Auftrieb ermöglicht.

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Neoprenanzug und Schutzhelm mit Strömungsschlitzen gehören zu der Schutzausrüstung eines Strömungsretters (Foto: DLRG)

 

In strömenden Gewässern darf niemals eine feste Leinenverbindung zwischen einem schwimmenden Retter mit dem Ufer existieren, da das Risiko des Unterspülens und damit Lebensgefahr besteht. Der Strömungsretter wird immer mit einem Karabiner im Rettungsgurt seiner Wildwasserweste eingehängt, der im Notfall über einen so genannten „Panikverschluss“ geöffnet werden kann.

Dreistufiges Ausbildungskonzept

Die Lehrgänge für die Rettung aus schnell fließenden Gewässern sowie aus Hochwasser- und Überschwemmungsgebieten bauen auf die Grundlagen der Fachausbildung Wasserrettungsdienst (WRD) auf. Sie ersetzen keine fundierte Ausbildung zum Wasserretter und sind als Ergänzung zur Ausbildung Wasserrettungsdienst zu sehen. Eine Implementierung in die Prüfungsordnung Wasserrettungsdienst ist nicht geplant.

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Die Ausbildung zum Strömungsretter ist in drei Stufen gegliedert (Foto: DLRG)

Das DLRG Bildungswerk hat erstmalig im Jahr 2004 Fortbildungen für Wasserretter mit dem Titel „Rettung aus stark fließenden Gewässern“ aufgenommen undbietet diese seitdem an. Sie beinhalten alle Grundlagen für die Strömungs- und Flutrettung. Mittlerweile ist ein dreistufiges Konzept installiert, das diesen Lehrgang als Stufe 1 zum Strömungsretter definiert. Die Stufe 2 erhöht dann die technischen Anteile und qualifiziert den Teilnehmer, der Wachleiter oder Ausbilder/Prüfer Wasserrettungsdienst sein muss, zum Führen eines Strömungsrettertrupps.
Der Pilotlehrgang für den Strömungsretter 2 wurde bereits vor zehn Jahren in Schleching (Bayern) durchgeführt.
Ausbilder und Teilnehmer waren sich damals einig, dass erst ab Stufe Strömungsretter 2 von einem vollwertigen Strömungsretter gesprochen werden konnte.
Erst mit der vertiefenden dritten Stufe Strömungsretter 3 wird eine ausreichende Ausbildungsbefähigung erreicht. Vor diesem Hintergrund hatte das Präsidium in der Anfangsphase zunächst nur Strömungsretter 1 und 2 Lehrgänge angeboten, um eine Mindestanzahl qualifizierter Strömungsretter in der DLRG auszubilden. Ab 2008 wurden dann in Strömungsretter 3 Lehrgängen Ausbilder geschult, die seitdem anschließend in den Landesverbänden eigenverantwortlich die zentralen Qualifizierungsmaßnahmen zum Strömungsretter 1 und 2 durchführen.


Ausbildungsinhalte

Der „Strömungsretter 1“ dient der Vermittlung von grundlegenden Kenntnissen und Fertigkeiten zur Selbst- und Fremdrettung in stark strömenden Gewässern und Überschwemmungsgebieten. Dieser Lehrgang gilt gleichzeitig als Grundlage für die Ausbildung zum Luftretter.

Die weiterführenden Stufen zum Strömungsretter (SR2/SR3) sollen zur Truppführung und zur eigenen Durchführung des Grundlehrgangs SR 1 auf Landesebene befähigen. Deshalb ist eine Ausbilderqualifikation (Wachleiter – Ausbilder/Prüfer WRD) zwingend vorgeschrieben.
Die SR 3 Ausbildung beinhaltet im Wesentlichen die Vermittlung der Lehrinhalte SR 1 und SR 2, der Trupp- und Gruppenführung Strömungsrettung sowie der Prüfung (Theorie und Praxis).

Als Ausbildungshilfen dienen der Ausbildungsrahmenplan, die Ausbildungsunterlage Strömungsrettung sowie das Taschenbuch für Wasserretter beziehungsweise das DLRG Handbuch Wasserrettungsdienst.

Mit der Ausbildung zum Strömungsretter hat die DLRG einen neuen Weg beschritten, der einerseits den Umgang mit technischen Hilfsmitteln (Seile, Greifzüge, etc.) beinhaltet, andererseits aber das körperliche Leistungsvermögen des Rettungsschwimmers stärker in den Vordergrund stellt. Die Verantwortung eines Strömungsretters sich selbst, seinen Kameraden und den zu rettenden Personen gegenüber macht ein dauerhaftes und konsequentes Training nötig. Neben dem regelmäßigen Üben von technischen Abläufen sind eine gute Kondition und gute schwimmerische Fähigkeiten unerlässlich.