Das Watt oder besser gesagt der Meeresboden fällt bei Niedrigwasser etwa alle 13 Stunden nahezu komplett trocken und lädt für kurze Zeit zu verschiedensten Aktivitäten ein. Die Reiter zum Beispiel genießen die Möglichkeit auf dem Meeresboden auf die Insel Neuwerk zu reiten, andere nutzen die Zeit um ausgedehnte Spaziergänge zu unternehmen.

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Bei schönem Wetter genießen viele Anwohner und Urlauber diese verschiedensten Möglichkeiten, so dass das Watt nicht selten von mehreren hundert Personen bevölkert wird. Einige vergessen im Watt die Zeit und verpassen den richtigen Zeitpunkt umzukehren, um trockenen Fußes wieder an den Strand zu kommen. Die tiefer gelegenen Bereiche des Watts füllen sich bei auflaufendem Wasser zuerst. Die Strömungsgeschwindigkeit in den sogenannten Prielen, einem natürlichen Wasserlauf im Watt, kann mehrere Knoten (1 Knoten entspricht ca. 0,5 m/s) betragen.

Das schnelle Füllen dieser Priele mit Wasser kann dazu führen, dass Personen vom Wasser eingeschlossen werden. Ein Durchqueren dieser Priele ist aufgrund der hohen Strömungsgeschwindigkeiten selbst für geübte Schwimmer nur unter größten Anstrengungen möglich.RED Wattrettung Bild03

Das ist der Moment, wo die Wattrettung spätestens aktiv werden muss, um diese Personen zu retten. Zu diesem Zweck sind entlang der Cuxhavener Strände dieverse Wachstationen der Nordseeheilbad GmbH (ehemals Kurverwaltung) und der DLRG eingerichtet, von denen aus das Watt beobachtet wird, um möglichst frühzeitig Gefahrenmomente zu erkennen und die entsprechenden Gegenmaßnahmen einzuleiten. Es beginnt mit den Rettungsschwimmern, die im Watt Spaziergänger rechtzeitig zur Rückkehr an den Strand bewegen sollen und hört bei komplexen Rettungs- und Sucheinsätzen auf. Für den Fall, dass außerhalb der Dienstzeiten Personen vom Wasser überrascht werden – hat die Nordseeheilbad Cuxhaven GmBH sieben Rettungsbaken – welche mit einem faradayschen Käfig gegen Blitzschlag gesichert sind, an strategisch gut erreichbaren Punkten im Watt aufgestellt. Diese sind mit Seenotsignalmitteln und einem Erste-Hilfe Set ausgerüstet.

Komplexere Situationen treten immer dann auf, wenn eine Vielzahl von Personen vom Wasser eingeschlossen wurde oder plötzlich Seenebel auftritt, der eine Orientierung im Watt unmöglich macht.

In diesem Fall wird mit dem Einsatzstichwort „Wattalarm“ eine Vielzahl von Einsatzkräften alarmiert. Diese gehören in Cuxhaven der Berufsfeuerwehr, der freiwilligen Feuerwehr Duhnen, der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH und der DLRG an. Weiterhin werden der landgebundene Rettungsdienst und die Wasserschutzpolizei alarmiert. Die Einsatzleitung bei Niedrigwasser hat grundsätzlich die Berufsfeuerwehr, bei Hochwasser die DGzRS. Die DLRG unterstützt mit Einsatzkräften und Material und berät die Einsatzleitung.

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Am Beispiel eines Einsatzes aus dem Sommer wird das Zusammenspiel der Einsatzkräfte deutlich.

An einem Donnerstag wurde die Schnelleinsatzgruppe (SEG) der DLRG Cuxhaven um 14.54 Uhr mit dem Einsatzstichwort „Person mit Pferd bei Rettungsbake 6“ über digitale Meldeempfänger alarmiert. Aufgrund der anfangs unklaren Lage wurde ein Teil der abrückenden Einsatzkräfte durch die Leitstelle Cuxhaven nach Cuxhaven-Sahlenburg beordert, der andere Teil nach Cuxhaven-Duhnen. Die gemeinsame Einsatzleitung auf der Rettungsstation in Cuxhaven-Duhnen wurde besetzt und die Lage näher erkundet. Vor Ort stellte sich heraus, dass zwei Reiterinnen mit ihren Pferden sich im Bereich der Rettungsbake fünf befanden. Aufgrund des rasch auflaufenden Wassers und der Nordwestwindlage hatten sie die Situation unterschätzt und so war ihnen der Weg nach Cuxhaven-Sahlenburg versperrt. Der Wasserrettungsunimog der Berufsfeuerwehr mit dem Rettungsboot „RTB 1“ hatte nach dem Eintreffen der DLRG die beiden Reiterinnen schon erreicht und sicherte sie ab. Das Duhner Fahrzeug mit dem Rettungsboot „Franz Mützelfeldt“ auf dem Trailer war kurz vor den beiden Reiterinnen. Diese wollten partout ihre Pferde nicht verlassen und versuchten trotz Aufforderung weiterhin gemeinsam den Strand zu erreichen. Aufgrund des schnell steigenden Wassers konnten die Reiterinnen aber kurze Zeit später ihren Weg nicht mehr fortsetzen und so mussten die beiden Rettungsboote der Feuerwehr zu Wasser gelassen werden. Ein Rettungsboot hat die beiden, mittlerweile schwimmenden Reiterinnen an Bord genommen und an Land gebracht, während das Zweite die Führung der Pferde übernommen hat. Die beiden Fahrzeuge mussten sich aufgrund des rasch steigenden Wassers an Land zurückziehen, so dass nur noch die Boote vor Ort agieren konnten. Zur Unterstützung der Pferderettung wurden seitens der DLRG der Jetski und das DLRG-Rettungsboot „Kuddel“ zu Wasser gelassen. Es brauchte einige Zeit, die Pferde von den guten Absichten zu überzeugen. Beide wurden schließlich wohlbehalten an Land gebracht und in die Obhut eines Tierarztes gegeben.RED Wattrettung Bild07

Die DLRG Ortsgruppe Cuxhaven hat für die Wattrettung einen ehemaligen Unimog der Bundeswehr für den Einsatz in der Gefahrenabwehr umgebaut. Dieses geländegängige Fahrzeug ist in der Lage auf dem teilweise sehr weichen Wattboden bis zu acht Personen aufzunehmen, die vom Wasser eingeschlossen wurden oder die mit einem Wattwagen verunglückt sind. Darüber hinaus kann auch eine Person liegend in einer Schleifkorbtrage transportiert und medizinisch versorgt werden. Weiterhin kann ein DLRG-Motorrettungsboot oder ein eigener Jetski damit zu Wasser gebracht werden, falls das Wasser für den Unimog zu tief wird.

Das Fahrzeug ist mit einer speziellen Navigationstechnik ausgestattet, um es landseitig in der Leitstelle der Berufsfeuerwehr Cuxhaven oder der Einsatzleitung der Rettungsstation Duhnen verfolgen zu können und bei der Fahrt durch das Watt zu unterstützen. Die Rettungsschwimmer, die als Fahrer eingesetzt werden, werden besonders im Umgang mit dem Fahrzeug und den Gegebenheiten im Watt eingewiesen. Ein Problem im Watt ist, dass es sich ständig verändert und sich die eingesetzten DLRGEinsatzkräfte immer wieder neu orientieren müssen. Auch bedeuten 10 Minuten Fahrt im Watt eine umfangreiche Reinigung des Fahrzeuges vom aggressiven Salzwasser.